Dr. Kreime - Praxis für Haustiere und Chirurgie

Nierenerkrankungen bei Hund und Katze

Die Nieren, als paariges Organ im oberen Bauchraum angesiedelt, haben u.a. folgende wichtige Körperfunktionen:
- Ausscheidung von harnpflichtigen, für den Körper giftigen Stoffen,
- Regulierung des Wasserhaushalts (mit Auswirkungen auf den Blutdruck),
- Bildung von Hormonen,
- Regulierung der Blutkonzentration von Kalzium, Phosphor, Kalium und Magnesium.

Im Zusammenhang mit Nierenerkrankungen kommt es zum Verlust einiger oder aller der oben aufgeführten Funktionen.

Woran erkennt man eine Nierenerkrankung?
Die für den Tierbesitzer erkennbaren Beschwerden setzen leider oft sehr – eigentlich viel zu spät – ein. Das „Heimtückische“ bei Nierenerkrankungen ist Folgendes: Erst wenn mehr als 80 % des Nierengewebes nicht mehr funktionieren, sind Veränderungen im Blutbild sichtbar. Das heißt, erst dann stellt der Tierarzt im Blut erhöhte Nierenwerte fest. Aber zu diesem Zeitpunkt muss ihr Hund oder ihre Katze noch lange keine äußerlich erkennbaren Beschwerden zeigen. Die treten oft viel später auf, wenn noch weniger Nierengewebe arbeitet und damit langsam aber sicher eine Blutvergiftung mit Stoffen einsetzt, die eigentlich über die Nieren und den Urin nach außen geschafft werden sollten.
Erkrankungen der Nieren machen sich bei Hunden und Katzen oft erst sehr spät bemerkbar. Bereits geschädigtes Nierengewebe kann nicht mehr geheilt werden. Deshalb sind vorsorglich Untersuchungen empfehlenswert, um eventuelle Einschränkungen der Nierenfunktion rechtzeitig entdecken und behandeln können.

Woran erkenne ich als Tierbesitzer, ob mit den Nieren etwas nicht stimmt?
Eine kranke Niere kann die Endprodukte aus dem Stoffwechsel nicht mehr vollständig ausscheiden. Also wird das Blut nicht mehr vollständig von den Abfallstoffen befreit. Im schlimmsten Fall führt dies zu einer Art inneren Vergiftung. Der Körper sucht dann einen anderen Weg, die Gifte loszuwerden. Das geschieht z.B. über die Schleimhäute des Magen-Darm-Trakts, worauf diese sich entzünden. Erbrechen und/oder Durchfall und Entzündungen der Maulschleimhäute sind dann die Folge.

Manchmal schreien die Tiere plötzlich, weil die Gifte auch das Gehirn schädigen.

Ferner findet über die geschädigten Nieren ein erhöhter Eiweißverlust statt, so dass eine Abmagerung eintreten kann.

Außerdem können die Nieren nicht mehr genug Wasser aus dem Urin zurückgewinnen. Dadurch wird das Blut zu dickflüssig, der Blutdruck steigt und der Gesamtwassergehalt der Körperorgane sinkt. Man erkennt dies sowohl an der ausgetrockneten Haut als auch am vermehrten Durst des Tieres.

Wann tritt die Erkrankung auf?
Zunächst sind Erkrankungen der Niere bei Katzen dreimal häufiger zu beobachten als bei Hunden und insbesondere bei älteren Tieren. Daher sollte die jährliche Routine Untersuchung beim Tierarzt z.B. im Zusammenhang mit der jährlichen Impfung ab einem Alter von 8 – 10 Jahren um eine Blutuntersuchung als Vorsorgecheck erweitert werden.

Es gibt aber auch akute Nierenentzündungen, die die Folge eines Infektes sein können. Das kann z.B. ein aufsteigender Harnwegsinfekt sein, oder es werden Bakterien von einem anderen Entzündungsherd des Körpers – z.B. vereiterte Zähne – zu den Nieren weitergespült und schädigen diese. Auch junge Tiere können erkranken. Insbesondere bei Katzen gibt es angeborene Nierenzysten (Flüssigkeitsblasen), die das Nierengewebe schädigen. Diese Erkrankung heißt PKD = Polycistic kidney disease.

Was kann getan werden?
Ist die Diagnose „Nierenerkrankung“ durch Urin – und Bluttest gestellt, muss man versuchen, den Teil der Nieren, der überhaupt noch arbeitet, weiterhin in Funktion zu halten. Man erreicht dies durch Medikamente, die die Durchblutung der Nieren und damit die Abfallstoffausscheidung fördern und so die Entgiftungsfunktion im Körper unterstützen. Neben herkömmlichen Präparaten können auch homöopathische Medikamente zum Einsatz kommen. Aus dem alternativen Bereich kann zur Stabilisierung auch die Akupunktur oder Laserakupunktur hilfreich sein.

Herzstück der Nierenbehandlung stellt die Umstellung des Futters auf eine spezielle Nierendiät dar. Das Futter muss so zusammengesetzt sein, dass in der Niere möglichst wenig Stoffwechselschlacken anfallen. Schwerpunkt wird dabei u.a. auf den Eiweißgehalt gelegt (wenig, aber hochwertig). Da diese Nierendiät ein Medikament darstellt, bekommt man sie nur in Tierarztpraxen. Die in Tiersupermärkten angebotenen Diäten bringen nicht den nötigen Erfolg, das wird der Tierhalter sehr schnell merken, außerdem wird wertvolle Zeit vertan.

Wie bei jeder Behandlung kann nur dann Aussicht auf Erfolg bestehen, wenn alle Medikamente, also auch die verordnete Nierendiät, konsequent und regelmäßig über eine lange Zeit, vielleicht sogar für den Rest des Lebens gegeben werden. Bei einer so schweren Erkrankung müssen regelmäßig Kontrolluntersuchungen zeigen, wie sich der zustand der Nieren entwickelt. Hoher Blutdruck beeinträchtigt auch andere Organe, so dass bei Kontrolluntersuchungen neben den Nierenwerten die anderen Organwerte mit kontrolliert werden.

© Dr. Kreime